Mitgemacht. Als Helfer im Piraten-Kidscamp auf Rügen

Eine Woche Kidscamp. Ein Projekt der Rotaracter. Als Rotarier mitmachen ohne Aufforderung. Warum eigentlich?

Da waren Fragen, selbst gestellt: Sprichst du im Alter von 66 Jahren noch eine Sprache, mit der dich junge Leute, Rotaracter, vielleicht 25 Jahre alt, verstehen? Und andersherum? Können wir noch miteinander etwas anfangen? Und wie gehen diese jungen Leute mit Kindern um, die aus einer ganz anderen sozialen Welt kommen? Die mit Ihren Eltern nicht verreisen können? Wie kommen denn die miteinander klar?

Antworten auf solche Fragen gibt es in keinem Seminar. Ich habe mich als Helfer gemeldet, mit der Bitte, in den ganz normalen Dienstplan des Kidscamps aufgenommen zu werden. Mit einer Ausnahme: „ Kein Kind von etwa zehn Jahren hätte es verdient, einen Betreuer der Generation-60-plus zu haben. Also bitte kein direkter Kinder-Betreuer.“ Dem wurde entsprochen.

Papst Franziskus fragt in seinen Predigten weltweit Mütter und Väter: „Spielt ihr mit euren Kindern? Oder hat jeder von Euch ein Handy und sonst wenig?

Wenn die Kinder im Kidscamp ankommen, werden sie zum Empfang von gutgelaunten jungen Leuten begrüßt. Die schieben als erstes eine Pappschachtel über den Tisch. Da kommen alle Ausweise und Papiere hinein. Und obendrauf das Handy. Weg ist es, für eine Woche.

Danach geht es zum „Eröffnungskreis“ . Das erste Spiel im Camp. Das letzte Spiel ist der „Verabschiedungskreis“. Bevor es nach hause geht. Dazwischen wird gespielt, gespurtet, gebastelt, gemalt, gesungen, gegessen, auch geschlafen. Gleich am Anfang werden Regeln verabredet: Wir sind freundlich zueinander. Wir helfen uns. Wir benutzen keine Schimpfworte. Wir essen gemeinsam. Wir warten, bis der letzte am Tisch sitzt. Wir räumen gemeinsam auf. Wer diese Regeln achtet, wird belohnt. Wer sie missachtet, macht Liegestütze oder Kniebeugen.

Zwei Jungen habe ich besonders aufmerksam beobachtet: Kaputzenmänner. Die Kapuze ist ja der letzte Rückzugsort vor der feindlichen Aussenwelt. Sie wird deshalb auch niemals abgesetzt. Am dritten Tag des Kidscamps klappen beide ihre Kapuzen herunter. Die feindliche Welt ist nicht mehr da.

Jedes Zelt, acht Kinder, hat zwei Rotaracter als Betreuer. Ein Mädchen sagt plötzlich: „Und meine Mutter trinkt.“ Die Betreuerin antwortet: „Komm wir setzen uns mal extra“. Sie hat Zeit für das Mädchen. Sie sprechen darüber, dass die eigenen Freunde nicht trinken. Und das es nachher ein Lagerfeuer gibt.

Fünf Tage Kidscamp. Piratenlager. Die Kinder sind in eine Welt eingetaucht, die sie so nicht kennen. Sie haben junge Piraten als Betreuer. Störtebecker besuchen sie in Raalswieck. Mit Kanonendonner und Feuerwerk. Tags darauf kommt auch noch Neptun vorbei und da werden sie selber Piraten. Mit Urkunde! Die kurzen Tage werden in ihrer Erinnerung bleiben. Der Höhepunkt, die Talente-Show der Kinder beim Abschlussabend, kann gleichzeitig als Einladung an Rotarier verstanden werden: Einfach hinfahren, mit eigenem Klappstuhl im Auto! Und besser noch, mitmachen bei der Talente-Show! Vielleicht als Seifenblasen-Künstler?

Der Dienstplan des Camps war hilfreich, meine Fragen zu beantworten. Laut Plan war ich LKW-Fahrer, Essen-Ausgeber, Wäschemann, Holz-Sammler, Lagerfeuer-Aufbauer, Geschichten-Erzähler, Leiter des Trommel-Kurses.

Und zuletzt hundemüde.

Text und Fotos: Michael Richter, RC Berlin-Schloss  Köpenick

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