Paula goes India #1

Für mich begann am Montag, dem 9. Juli 2018, ein neues Abenteuer. Ein Abenteuer namens NGSE (New Generation Service Exchange) in Indien. Der New Generation Service Exchange ist ein Kurzzeitaustausch für junge Erwachsene. Es gibt zum einen den Gruppenaustausch und dann noch den individuellen Austausch. Im Gruppenaustausch ist man drei Wochen in einer kleinen Gruppe im Land unterwegs, lernt Land und Leute kennen und bekommt Einblicke in verschiedene Berufsfelder. Ich habe mich für den individuellen Austausch entschieden. Im Gegensatz zum Gruppenaustausch werde ich primär nicht reisen und verschiedene Teile des Landes kennenlernen, sondern in einer Stadt bleiben und tagsüber ein Praktikum in einem indischen Unternehmen machen. Im kommenden Sommer möchte ich mein Studium beginnen. Lehramt für Musik und Englisch soll es werden. Ich werde hier in Indien voraussichtlich in einer Schule arbeiten und das indische Schulsystem kennenlernen. Welche Fächer werden hier unterrichtet? Wie wird hier unterrichtet? Wie gestaltet sich der Musikunterricht hier? Wie ist der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern? Alternativ kann ich mir auch vorstellen in einer Kindertagesstätte zu hospitieren. Aktuell sind wir noch bei der Organisation meines “Traum-Praktikums”. Ich bin positiv gestimmt, dass ich spätestens in der nächsten Woche mit der Arbeit beginnen kann.Meine Zeit in Indien verbringe ich in Vadodara, eine bedeutende Universitäts- und Industriestadt. Vadodara liegt im westlichen Teil des Landes, im Bundesstaat Gujarat, wo sie die drittgrößte Stadt markiert.

Alles begann am Flughafen Berlin-Tegel, von wo aus es für mich nach Wien und dann weiter nach Delhi ging. Das erste indische Curry gab es auf dem Flug nach Delhi zum Abendessen. Frühmorgens um 7:20 Uhr Ortszeit erreichten wir den Flughafen Delhi, bereits 31 Grad Celsius zu dieser frühen Stunde. Der erste Eindruck: der Flughafen war voller Menschen, sehr hektisch, alles musste schnell gehen. Meine über 10 Stunden Wartezeit auf den Anschlussflug verbrachte ich mit Essen, Trinken, Lesen, Leute beobachten und immer wieder einnicken.

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Nach einem letzten Flug von 1 Stunde und 30 Minuten war meine Anreise nach Indien dann auch geschafft. Meine Gastschwestern Agreya und Arya begrüßten mich bei tropischen Klima am Flughafen Vadodara. Zuhause bei meiner Gastfamilie folgten an diesem Abend nur noch die langersehnte Dusche und der langersehnte Schlaf, an den jedoch bei 30 Grad, gefühlt 40 Grad, und einem hartnäckigen Mosquito kaum zu denken war. Die kommende Nacht erklärte mir mein Gastpapa Kshanil den Air-Conditioner, so dass die Nacht deutlich ruhiger verlief.

Meinen ersten richtigen Tag, Mittwoch 11. Juli 2018, verbrachte ich mit meiner Gastschwester Arya und ihren Freundinnen. Sie zeigten mir ihr Lieblingscafé in der Stadt. Bereits auf dem Heimweg nach Hause machte der Monsun uns einen Strich durch die Rechnung! Viele Straßen in der Stadt waren überflutet, Autos blieben stecken, keine Chance, so einfach nach Hause zu kommen. Wir fuhren also zuerst zu dem Haus einer Freundin, was näher zum Café gelegen war, und warteten dort einige Zeit bis der Regen stoppte und auch wir uns dann auf den Heimweg machen konnten. Am Abend war gar nicht daran zu denken, das Haus zu verlassen. Der Regen brach über die Stadt herein. Ich nutze diese Zwangspause, um meine Gastfamilie näher kennenzulernen. In unserem Haus wohnen meine Gasteltern, meine zwei Gastschwester, die Oma und ich zusammen. Meine Gastmama und mein Gastpapa haben eine eigene kleine Praxis, wo meine Gastmama Binoti als Zahnärztin und mein Gastpapa Kshanil als Homöopath tätig sind. Agreya, meine 22-jährige Gastschwester, hat ihren Bachelor in Fashion Communication abgeschlossen und die Zeit danach mit Reisen verbracht. Aktuell arbeitet sie in einer indischen Firma in Vadodara als Creative Assistant. Die Abende wird sie Zuhause sein und mir die Stadt zeigen. Außerdem hat sie bereits eine lange To-Do-Liste, was sie mir alles hier in der Stadt und Umgebung zeigen möchte. Meine jüngere Gastschwester Arya, 17 Jahre alt, hat gerade die Schule beendet und beginnt diese Woche ihr Studium für Liberal Arts (ein Kanon aus 7 Studienfächern) in Ahmedabad, in der Hauptstadt des Bundesstaats Gujarat. Sie wird uns an den Wochenenden besuchen kommen. Eine Person im Hause Gandhi fehlt noch: Meine Gastoma. Sie ist eben eine richtige Oma, verbringt viel Zeit Zuhause und ist ab und zu unterwegs.

Am Donnerstagnachmittag nah mich Agreya mit auf einen Ausflug. Gemeinsam mit zwei Freunden Yash und Zayed fuhren wir zum Pavagadh Hill, einem Berg 800 Meter über der umliegenden Umgebung. Vor 500 Millionen Jahren gab es dort einen Vulkanausbruch, der dem Berg seinen Namen gab. Pavgadh heißt übersetzt Feuer-Berg. Ein vielseitiger Ort mit Bergketten, einer Höhle unterhalb des Gipfels, steile Hügelhänge und Dschungel. Auch die Tierwelt ist beeindruckend: Affen, Schlangen, Chamäleons und viele mehr, die erst bei Nachteinbruch aus ihrem Unterschlupf gekrochen kommen. Bis zum höchsten Gipfel des Bergs, wo auch ein Tempel besichtigt werden kann, sind wir leider nicht mehr gekommen – Monsunzeit halt. Den fünf Kilometer langen Dschungelweg wären wir wahrscheinlich vom Regen runtergespült worden. Aber auch von niedrigeren Bergen aus hatten wir einen fantastischen atemberaubenden Ausblick. Wir werden wiederkommen und dann auch den Gipfel erklimmen! Den Abend ließen wir in einem Café mit dem Geschicklichkeitsspiel Jenga ausklingen.

Am Freitagabend war ich zu Gast beim Rotaract Club Vadodara Sayajinagari. Das erste Meeting im neuen rotarischen Jahr, Vorstellung des neuen Vorstandes und der anstehenden Projekte. Nach einem scharfen Abendessen und nachdem die meistens Rotaracter sich bereits verabschiedet hatten, ging es mit einer kleinen Gruppe nochmal in die Stadt zu einem “Paan”-Shop. “Paan” bedeutet übersetzt Blatt und ist eine Zubereitung der Betelblätter mit Arekanüssen. Betelblätter sind die Blätter der Betelpfeffer-Pflanze, eine rankende Kletterpflanze aus Südost-Asien. Im zubereiteten Zustand schmecken die Blätter angenehm würzig. Arekanüsse sind die roten Früchte der Pflanze. Paan gibt es in vielen verschiedenen Varianten, es wird nach dem Kauen entweder geschluckt oder ausgespuckt. Es ist schwer zu sagen, welche Zutaten in meinem Paan enthalten waren. Rausschmecken konnte ich Rosenwasser, Safran und Kokosnuss. Man soll das ganze Paan mit einem Mal in den Mund stecken und dann Essen. Einige der viele Variationen enthalten auch Tabak. Diese sollte nach dem Kauen ausgespuckt werden. In einigen Städten ist das Kauen von Paan jedoch stark kritisiert, aufgrund der roten sogenannten “Schandflecken”, die nach dem Ausspucken des Paans auf dem Boden entstehen und die Stadt eher verunreinigen als verschönern.

Ich bin nun exakt eine Woche hier und habe bereits so viel erlebt! Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an den Rotary Club Berlin-Gendarmenmarkt, der all dies möglich gemacht hat. Für mich startet nun eine neue Woche voller Abenteuer: Ich werde berichten!

4 Gedanken zu „Paula goes India #1“

  1. Liebe Paula, vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Hat auch Josef sehr gefreut. Wir wünschen Dir weiter viele schöne Ausflüge und dann interessante Einblicke ins indische Schulsystem.. Liebe Grüsse aus Köpenick. Regina und Josef

  2. Liebe Paula,
    einen tollen Bericht hast Du geschrieben. Wünsche Dir weiterhin viele spannende Erlebnisse. Freue mich wieder etwas von Dir zu lesen. Passe schön auf Dich auf.
    Herzliche Grüße
    Sylvia und Familie

  3. Liebe Paula, heute sah ich im Fernsehen die großen Überschwemmungen, die der Monsun in diesem Jahr in Indien verursacht hat – es heißt, seit 100 Jahren waren sie nicht so verheerend. Aber es geht das um eine andere Provinz, nicht die, in der Du Dich aufhältst. Deshalb hoffe ich, dass Deine Gastfamilie und Du nicht direkt davon betroffen seid.
    Deinen Bericht habe ich mit Spannung gelesen, und ich wünsche Dir, dass Du inzwischen noch viele interessante Einblicke hattest und – vor allem – freundliche Menschen kennen lernen, Freundinnen und Freunde gewinnen konntest. Ich bewundere Dich sehr für Deinen Unternehmungsgeist und Dein Vertrauen.
    Heute ist der 18. August 2018. Ich warte schon auf Deinen nächsten Bericht, liebe Paula. Pass gut auf Dich auf!

    Liebe Grüße von Heidrun aus Berlin

    1. Liebe Heidrun, ich bin super glücklich von dir zu hören! Du hast Recht, im Süden ist der Regen dramatisch! Bei mir ist zum Glück alles im Rahmen was die Niederschläge betrifft. Wir drücken hier alle die Daumen! Weitere Beiträge aus Indien habe ich den letzten Wochen veröffentlicht. Du findest diese auch hier auf dem Blog unter den Titel “Paula goes India #2” sowie “Paula goes India #3”. Alle zwei Wochen geht sicher ein neuer Beitrag online und manchmal schreibe ich zwischendurch auch noch mal was. Ich wünsche dir alles Gute und liebe Grüße an den Chor, am Dienstag gehen die Proben ja wieder los. Ganz herzliche Grüße, deine Paula!

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