Die Tischkasse, eine never ending story. Oder doch?

Es soll doch tatsächlich Rotary-Mitglieder geben, die noch nie eine rotarische Tischkasse gesehen, bzw. davon gehört haben. Die meisten jedoch kennen das – wie auch immer geartete bzw. geformte – rotarische Sparschwein als „Auffangbehälter“ für Geld, genannt Tischkasse. Wie funktioniert sie und wozu dient sie? Hat sie eine Daseinsberechtigung? Gibt es Alternativen?

In den meisten Clubs kreist während des Meetings der dafür vorgesehene, oft sehr kreativ gestaltete „Auffangbehälter“ für eine kleine Tischspende. In der Regel werden die Mitglieder gebeten, dort einen kleinen Obolus zu hinterlegen. Die Höhe des Betrags ist fast immer jedem selbst überlassen. Im Schlitz verschwinden sowohl geräuschlos Scheine genauso wie klimperndes Metall. An den Gästen, die dem Meeting beiwohnen, wird die Tischkasse meist elegant vorbeibalanciert. Wobei viele Gäste von sich aus freiwillig und gerne die Geldbörse zücken und öffnen.

Der Inhalt der Tischkasse wird in jedem Club und auch zum Teil unter jedem neuen Präsidenten anders verwendet. In manchen Clubs dient er dazu, kurzfristig bekannt gewordene kleine Projekte zeitnah und unbürokratisch mit kleinen Summen zu unterstützen, in anderen haben die Präsidenten ein inhaltliches Ziel für ihr Jahr vorgegeben, das mit dem Jahresergebnis aus der Tischkasse bedacht werden soll. Die Verwendungszwecke sind vielseitig und zum Teil sehr kreativ.

Die Tischkassen waren schon vor Corona häufig in der Diskussion. Brauchen wir sie oder nicht? Ist sie noch zeitgemäß oder überflüssig? In welcher Form soll oder kann sie weiterleben? Die Diskussionen waren oft ohne Ergebnis und ploppten oft in schöner Regelmäßigkeit jedes Jahr von Neuem auf. Doch die Meetingsabstinenz während der langen Corona-Phase machte dem Modell „Tischkasse“ dann schließlich oft ganz den Garaus.

Unsere Governorin Jessika Schweda brachte nun von ihrem Besuch beim Rotary Club Kleinmachnow ein Foto von einer recht flachen, volumenlosen Tischkasse mit, einem laminierten QR-Code im Format A4. Eine zeitgemäße Variante des altgedienten „Auffangbehälters“?!

Jessika Schweda meint dazu: „Die Freundinnen und Freunde ja nicht immer nur einen Fünfer oder das Kleingeld aus der Brieftasche spenden, sondern gelegentlich will mal jemand zum Beispiel anlässlich eines runden Geburtstags oder eines besonderen Anlasses mehr spenden. Diese „elektronische Tischkasse“ führt zu einem Formular, das beim Schatzmeister landet und der den Betrag dann vom Konto des Freundes abbucht. Der Vorteil: Eine solche Kasse läuft über den Verein oder das Konto beim Rotary Gemeindienst und man erhält dann für seine Spende eine Spendenquittung. Eine solche Quittung kann ein Sparschwein natürlich nicht ausstellen“.

Wir nehmen das Foto zum Anlass, um das Thema „Tischkasse“ aus dem Halbdunkel der Meetingsräume in den digitalen Diskussionsraum zu heben.

Dazu haben wir Lothar Weber vom Rotary Club Berlin-Gendarmenmarkt befragt, der sich viele Jahre lang zählend, zäh ringend und schließlich resignierend mit dem Thema Tischkasse beschäftigt hat. Er hat uns einen sehr persönlichen Bericht dazu gegeben. Ein schöner, tiefer Einblick, der uns sicher Möglichkeit gibt, im größeren Kreis darüber zu diskutieren. Beim Rotary Barcamp 1940 am Samstag, den 25. Februar in Berlin vielleicht?

Lothar Weber schreibt: „In den fünf Jahren als Sekretär meines Clubs (von 2013 bis 2018) habe ich über den Daumen gepeilt, geschätzt mehr als 200 Tischkassen geleert, gezählt und eingezahlt. Bei uns wurden Scheine und Münzgeld im Bauch eines großen, roten Elefanten versenkt. In der Regel wurde immer direkt nach dem Meeting gemäß dem vier Augen-Prinzip gezählt, wie auf einem Foto zu sehen ist. Im Bild bin ich mit meinem Club-Freund Ekkehard Rähmer zu sehen. Das Tagesergebnis wurde dann im Meetingsbericht kundgetan.

Auf der einen Seite war das eine aufschlussreiche Tätigkeit, allerdings auch eine zeitaufwändige. Ihr werdet es nicht glauben, aber manchmal haben wir auch geflucht über die Ein- oder Zwei-Cent-Münzen, ausländische Währungen jeglicher Art , Knöpfe (allerdings nur einfache vom Hemd oder Blazer) oder Einkaufschips. Auch Bitcoins hätte unser Elefant geschluckt. Aber solche fanden wir nie…

Der Vorschlag einer Tischkassen-App kam zwischenzeitlich auch, nur umgesetzt wurde er nicht. In vielen Clubs, so auch in meinem Club, dem Rotary Club Berlin-Gendarmenmarkt, wurde die Tischkasse schließlich ersatzlos abgeschafft. Zu aufwendig, zu ungerecht gegenüber denen, die nicht beim Meeting waren, die Knöpfe gehen aus, wer hat schon noch Bargeld,… so in etwa waren die Ansatzpunkte. Da bietet das Modell vom Rotary Club Kleinmachnow eine neue Perspektive. Und eine neue Dimension, denn das Schöne ist, dass jeder spenden kann, auch diejenigen, die nicht beim Meeting waren.“

Text: Birgit Weichmann mit Lothar Weber, Rotary Club Berlin-Gendarmenmarkt
Fotos: Jessika Schweda, Rotary Club Bernau bei Berlin, Lothar Weber, Rotary Club Berlin-Gendarmenmarkt, Birgit Guizetti, Rotary Club Berlin-Potsdamer Platz.

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