“Das ist wahnsinnig” – Wie der Rotary Club Adenau-Nürburgring Flutopfern hilft

“Das ist das bewegendste Meeting, das ich je bei Rotary erlebt habe.” – Im Zoom-Meeting mit vier Mitgliedern des Rotary Club Adenau-Nürburgring war am Samstag immer wieder dieser Satz zu hören. Manchen der Teilnehmenden vor dem Bildschirm brach die Stimme vor Rührung über das Engagement, das dieser kleine Club für die von der Flutkatastrophe Betroffenen noch in der Nacht der Flut auf die Beine gestellt hat.
Sie haben auf ihren Aufruf nicht nur inzwischen rund eine Million Euro an Geld- und Sachspenden aus aller Welt erhalten – und zum großen Teil schon an Betroffene übergeben. Persönlich engagieren sie sich auch in einem Patenprogramm, das sie entwickelt haben, in Hilfe vor Ort und vor allem auch in der zielgerichteten Beschaffung von Sachspenden und der Identifizierung von Einsatzfeldern.

Sprachlos folgten die Zoom-Teilnehmer aus ganz Deutschland und der Schweiz zunächst dem einführenden Video, das eine Fahrt durchs Ahrtal vor und nach der Flut zeigte.

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Anschließend stellten die Clubmitglieder während des virtuellen Ausschwärmens des Distrikts 1940 ihren Hilfsfond und exemplarisch einige Hilfsprojekte vor. Das Beeindruckendste dabei: Jeder bringt sich ein mit seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seiner ganz persönlichen und vor allem rotarischen Vernetzung. Clubpräsidentin Claudia Rössling-Marenbach, evangelische Pfarrerin für Adenau, die beiden Mediziner Monika Raussen und Thomas Haan, der seine Hausarztpraxis im schwer betroffenen Ort Schuld hat, und Rolf Schlipköter, der im Club für die Medienarbeit zuständig ist, berichteten und beantworteten Fragen.

Hochwasser-Hilfsfonds des Fördervereins

Schon am Folgetag der Flutkatastrophe nahm der in den Nachtstunden vom 14. auf den 15. Juli initiierte Hochwasser-Hilfsfonds des Rotary Club Adenau-Nürburgring mit seinen 32 Mitgliedern den Dienst für die schwerstbetroffenen Katastrophenopfer im oberen und mittleren Ahrtal auf. Dank der Hilfs- und Spendenbereitschaft der Bevölkerung, von Unternehmen und Rotary Clubs im In- und Ausland konnten bis heute schon rund eine Million Euro an Geld- und Sachspenden über den  Förderverein des Clubs gesammelt werden. Dabei zeigt sich mal wieder: Die Stärke von Rotary ist die schnelle und unbürokratische Hilfe vor Ort. Und die enge Vernetzung im Rahmen der rotarischen Familie. So konnten beispielsweise durch intensive Recherche nach Rotary-Mitgliedern, die in Firmen tätig sind, welche dringend benötigte Hilfsgüter produzieren, auf rasend schnelle Weise Frischwasserbehälter besorgt werden, Generatoren, Werkzeug, Tauch-Pumpen, Sauger, Notstrom-Aggregate, Power-Banks u.a..

Schnelle Hilfe aus der Schweiz

Ein besonderes Beispiel ist etwa die Suche nach in Deutschland nicht mehr zu beschaffenden Bautrocknern. Innerhalb von weniger als einer Woche wurden nach dem Aufruf um Unterstützung  über die Rotary Stiftung Schweiz und die Governor der Distrikte 1980, 1990 und 2000  100 neue Bautrockner im Wert von weit über 100 000 Euro gespendet. Sogar der Transport und die Zollformalitäten wurden von den rotarischen Freunden aus der Schweiz organisiert und finanziert.

Um sich ein Bild von der Breite und den Details zu den Soforthilfen und den aktuellen Plänen für nachhaltigen Wiederaufbau des Clubs zu machen- wie sie auch während des Zoom-Meetings geschildert wurden – sei die Lektüre der Clubwebsite empfohlen. Sie informiert sehr transparent und stets aktuell über das Engagement des Clubs.

Persönliche Betroffenheit

Was die Vorstellung ihres Hilfsfonds besonders berührend machte, waren die persönliche Schilderungen der vier Clubmitglieder aus Adenau-Nürburgring ihres ganz persönlichen Erlebens. Clubpräsidentin Claudia Rössling-Marenbach ist als evangelische Pfarrerin seither nahezu rund um die Uhr im seelsorgerischen Einsatz. Sie ließ die Meetingteilnehmer teilhaben am Schicksal zweier Familien, von denen sie Angehörige beerdigt hat. Sie schilderte aber auch, was sie als “meditatives Kleben” empfand, als sie mit einer Club-Freundin 60 1000-Liter-Frischwasserbehälter mit Aufklebern des Hilfsfonds bestückte. Hands-on kann also auch entspannende Wirkung haben.

Am Zoom-Bildschirm konnte man auch sehen, dass sich so manche*r verstohlen eine Träne abwischte, als der Hausarzt Thomas Haan, dessen Praxis unversehrt blieb und als einzige im Katastrophengebiet sofort wieder die Arbeit aufnehmen konnte, berichtete. Er erzählte, wie er durch rotarische Vermittlung die  komplette Ausstattungen für zwei Arztpraxen an Arztkollegen vermitteln konnte, die ihre Praxen verloren haben. Auch den persönlichen Einsatz eines Baggerfahrers aus Hessen, der sich extra Urlaub genommen hat, um mit seinem Bagger in Schuld zu helfen, beschrieb er. Er hat u.a. geholfen, die Werkshalle einer kleinen Autowerkstatt wieder herzustellen.

Patenschaften für schwer Betroffene

Ein neues Projekt, das der Club gerade gestartet hat, sind Patenschaften.  Diese werden vom Club auf dessen Website beschrieben: “Wir sind (…)  im engen Kontakt mit den Ortbürgermeistern, Rettungskräften, Allgemeinmedizinern und Pfarrern etc. und konnten schon einige besonders schwer Betroffene ermitteln und Kontakt zu ihnen herstellen sowie erste Hilfe leisten. Um diesen besonders schwer betroffenen Mitmenschen, die nahezu alles verloren haben und nicht versichert sind, – und allen, die noch hinzukommen werden – schnell, unbürokratisch und nachhaltig Hilfe leisten zu können, haben wir bereits ein entsprechendes Hilfsprogramm aufgelegt. Die über die Ortsbürgermeister und Entscheider vor Ort an uns übermittelten (sowie von uns überprüften) vom Hochwasser Schwerstbetroffenen erhalten zunächst einen größerer Geldbetrag aus dem Hilfsfonds ausgezahlt. Ferner leisten wir weitere Unterstützung mit Rat und Tat in allen Themen rund um die Krise. Hierzu wurde uns von vielen anderen Rotary Clubs in Deutschland bereits Hilfe angeboten. Hierfür sind wir sehr dankbar.” Die Clubfreunde aus Adenau freuen sich, wenn sich noch weitere Rotarierinnen und Rotarier finden, die Patenschaften übernehmen möchten (Kontakt siehe unten).

Lernen von denen, die es schon erlebt haben

Neben dem vielfältigen rotarischen Netzwerken und den regionalen Vernetzungen der einzelnen Mitglieder, holen sich die Adenau-Nürburgringer aber auch wertvolle Informationen von Experten, die Ähnliches schon durchlebt haben. Bei Verantwortlichen, die nach dem Oder-Hochwasser geholfen haben, erkundigten sie sich beispielsweise danach, worauf sie bei Hilfsprojekten für den Wiederaufbau achten sollten. Es gibt unter anderem unzählige zerstörte Sportplätze und Sportheime, Dorfgemeinschaftshäuser, Kindergärten und Schulen, aber auch Musikschulen, die, wie sie erfahren konnten, bei früheren Wasserkatastrophen durchs Hilferaster gefallen waren. Nun fokussieren sie dort auf nachhaltige Hilfen zum Wiederaufbau.

Zielgerichtet und bedarfsorientiert agieren

Wir erfinden uns mit unseren Soforthilfen alle paar Tage neu und reagieren so extrem schnell, flexibel und äußerst effektiv auf die jeweils aktuelle Bedarfslage,” wurde der rotarische Freund Arnold Hoffmann, Stadtbürgermeister von Adenau, zitiert. Ein Blick darauf, wie zielgerichtet und bedarfsorientiert der kleine Club bereits in den vier Wochen nach der Flut agiert hat, bestätigt diese Einschätzung.

Bei allen Aktivitäten wird aber auch über den Club-Tellerrand geblickt. So forderte Rolf Schlipköter am Ende alle Meetingsteilnehmer dazu auf, auch die anderen Rotary Clubs zu unterstützen, die sich in den Flutgebieten engagieren und auch die Hilfsinitiativen der betroffenen Distrikte beim Rotary Deutschland Gemeindienst (RDG) zu bedenken.

Teil eines tollen und wichtigen Netzwerks

“Was ich gesehen habe ist wahnsinnig”, schrieb ein Teilnehmer aus der Schweiz nach dem Meeting. “Der Einsatz, den der Rotary Club Adenau-Nürburgring leistet, verdient die grösste Anerkennung. Einmal mehr bin ich dankbar, in einem so tollen und wichtigen Netzwerk dabei sein zu dürfen.” Damit trifft er den Nagel auf den Kopf und beschreibt treffend die Stimmung, mit der die Teilnehmenden aus dem Meeting gingen – und die Botschaft hoffentlich auch in ihre Clubs und Distrikte tragen.

Damit noch mehr Mitglieder der rotarischen Familie erfahren können, was die Mitglieder des Rotary Clubs Adenau-Nürburgring tun, um den von der Flutkatastrophe im Ahrtal Betroffenen zu helfen, wird es ein Follow-up-Meeting geben. Am Samstag, den 25. September, wird das “Virtuelle Ausschwärmen” des Distrikts 1940 um 10.30 Uhr wieder ins Ahrtal gehen. Und die Adenau-Nürburgringer berichten dann davon, wie sie sich in der Zwischenzeit wieder neu erfunden haben.

Wer mit Spenden helfen will, hier das Spendenkonto:
Förderverein Rotary Club Adenau-Nürburgring
IBAN: DE84 5776 1591 0527 0800 00
Verwendungszweck: Rotary-Hilfsfonds Hochwasserkatastrophe Oberes Ahrtal

Wer sich zum Patenprojekt informieren möchte, hier die Kontaktadresse:
Thomas Sander (Rotary Club Adenau-Nürburgring), t.sander@netcologne.de

Text: Birgit Weichmann, Rotary Club Berlin-Gendarmenmarkt
Fotos: Rotary Club Adenau-Nürburgring
Video: Youtube/Bastifbr

2 Gedanken zu „“Das ist wahnsinnig” – Wie der Rotary Club Adenau-Nürburgring Flutopfern hilft“

    1. Liebe Frau Niederer, ja, die Hilfsaktionen der Mitglieder des Rotary Clubs Adenau-Nürburgring sind unglaublich. Sie freuen sich sehr über Spenden von jedermann. Das Spendenkonto steht am Ende des Beitrags. Herzlichen Dank im Voraus!

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